Test: SAUCONY Paramount Max
Maximale Dämpfung, maximale Sohle, maximale Dynamik?
Es gibt Laufschuhe, bei denen ich schon beim ersten Anprobieren weiß, dass das funktionieren könnte. Und dann gibt es Schuhe wie den SAUCONY Paramount Max. Mit dem Paramount Max (Damen | Herren) möchte SAUCONY einen noch stärker gedämpften Schuh bauen als den Triumph, der weicher, aber auch reaktiver sein soll. Mein erster Gedanke war ganz ehrlich gesagt: Muss das wirklich sein? Noch mehr Dämpfung, noch mehr Schaum unter dem Fuß? Ich bin schließlich kein ausgesprochener Fan von extrem weichen Laufschuhen. Zu oft hatte ich dabei das Gefühl, dass der Komfort auf Kosten der Dynamik geht und man bei jedem Schritt mehr Energie im Schaum versenkt, als man – trotz der Versprechen der Hersteller – anschließend zurückbekommt.
Außerdem leidet oft die Grundstabilität unter extrem weichen Sohlen. Jeder, der einmal versucht hat, auf einer weichen Matratze einbeinig zu balancieren, weiß, wovon ich spreche. Trotz oder gerade wegen meiner Skepsis wollte ich unbedingt diesen Schuh testen, dessen Name mich immer an einen Streamingdienst für Laufcontent denken lässt.
Erster Eindruck: Ein Wolkenbett mit ordentlich Spannung
Optisch ist der Paramount Max – trotz meiner Skepsis – schon ein Hingucker. Die massive Mittelsohle lässt keinen Zweifel daran, worum es hier geht: maximale Dämpfung. Gleichzeitig wirkt der Schuh durch seine Konstruktion und das vergleichsweise leichte Obermaterial erstaunlich dynamisch, als hätte SAUCONY die maximale Sohle mit dem Obermaterial eines Lightweight-Trainers kombiniert.
Auch in der Hand überrascht er mich positiv. In manchen Tests wird der Paramount Max als schwer beschrieben. Diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen. Natürlich ist ein Kinvara leichter. Der Paramount Max bringt aber auch ein Vielfaches an Schaum unter den Fuß. Gemessen daran wirkt er erstaunlich leicht.
Besonders spannend finde ich die Kombination aus dem komfortorientierten Aufbau und der eher sportlich konstruierten Fersenkappe. Statt einer übermäßig dicken, plüschigen Polsterung ist die Fersenkonstruktion überraschend leicht, aber nicht labberig. Auch hier erinnert mich das Obermaterial eher an einen Performance-Schuh als an einen klassischen Komforttrainer.
Beim Reinschlüpfen folgt dann allerdings erst einmal die nächste Überraschung: Die Sohle ist extrem soft. So soft, dass „soft“ eine neue Bedeutung bekommt! Man sinkt regelrecht in den Schaum ein und bekommt unmittelbar ein ausgeprägtes Trampolin-Gefühl. Dabei federt der Schuh schon bei den ersten Schritten spürbar zurück. Das fühlt sich einerseits erst einmal absurd an, denn dieses Gefühl kenne ich sonst nur bei Wettkampfschuhen. Das macht mich neugierig, wie der Paramount Max in Aktion funktioniert.
Technische Einordnung: Viel Schaum, aber nicht nur Komfort
Mit dem Paramount Max positioniert SAUCONY einen neuen Max-Cushioning-Schuh oberhalb des Triumph. Das bisherige Komfort-Flaggschiff bekommt damit einen noch stärker gedämpften Bruder (oder eine Schwester) zur Seite gestellt.
Im Zentrum steht die incrediRUN-Zwischensohle. Der Schaum ist ausgesprochen weich, besitzt gleichzeitig aber eine hohe Rückstellkraft. Das habe ich ja schon beim ersten Reinschlüpfen gespürt. Genau diese Kombination soll entscheidend für das Laufgefühl des Paramount Max sein. Mit rund 43 mm Sohlenhöhe an der Ferse und 37 mm im Vorfuß gehört der Paramount Max zu den besonders hoch aufgebauten Trainingsschuhen. Die 6-mm-Sprengung und die ausgeprägte Abrollgeometrie unterstützen einen flüssigen Übergang vom Aufsatz zum Abdruck.
Damit die enorme Dämpfung nicht zulasten der Stabilität geht, setzt SAUCONY auf eine breite Sohlenbasis und seitlich hochgezogene Strukturen. Der Fuß sinkt in die Mittelsohle ein und wird von ihr umschlossen, anstatt lediglich auf einer hohen, weichen Plattform zu stehen.
Soweit der technische Hintergrund und die Theorie. Aber nichts geht über die Praxis!
Mein erster Lauf: Skepsis trifft auf Laufspaß
Los geht es zunächst mit einem sehr langsamen Lauf. Genau das richtige Tempo, um herauszufinden, wie sich der Paramount Max bei geringer Belastung verhält.
Und tatsächlich: Trotz der enormen Dämpfung rollt der Schuh erstaunlich schnell ab, was dazu führt, dass ich auch bei langsamem Tempo eine recht hohe Schrittfrequenz habe. Eigentlich gilt ja: Je mehr der Fuß unter dem Körperschwerpunkt aufsetzt, desto eher werden Knie und Hüfte entlastet. Der Fuß sinkt weich ein, wird aber direkt wieder nach vorne geführt. Auch das kennt man eher aus dem Bereich der Speed-Laufschuhe. Es fühlt sich ausgesprochen ungewohnt an, so viel Komfort zu haben und dabei trotzdem reaktiv abzurollen. Entgegen meiner Befürchtung, der Paramount Max könnte instabil stehen, bietet der Schuh für mich eine gute Stabilität. Selbst in Kurven rutsche ich nicht über die weiche Sohle, sondern stehe absolut sicher im Schuh.
Zum Obermaterial: Hier macht der Schuh mir richtig viel Spaß! Das Obermaterial ist nicht zu soft und passt perfekt zum Abrollverhalten. Es legt sich wie ein Socken um meinen Mittelfuß. Im Vorfußbereich wird das Material offener, sodass meine Froschfüße auch hier ausreichend Platz haben, ich mit meinem schmalen Mittelfuß aber trotzdem viel Halt finde. Dafür sorgt auch die Fersenkappe, die mit ihrer adaptiven Passform dafür sorgt, dass der gesamte Schuh sicher am Fuß sitzt. So weit, so komfortabel, aber ich bin gespannt, was der Dämpfungsschaum so liefern kann.
Also erhöhe ich das Tempo ein wenig. Nicht wirklich schnell, sondern einfach etwas mehr Druck auf den Schuh geben und laufen lassen. Und plötzlich passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Je mehr Druck ich in die Sohle gebe, desto mehr kommt zurück.
Das macht richtig Spaß!
Der Paramount Max fühlt sich auf einmal deutlich sportlicher an, als es seine massive Bauweise vermuten lässt. Die Dämpfung bleibt soft, entwickelt unter Belastung aber eine beeindruckende Dynamik. Ich habe nicht das Gefühl, dass der Schuh meine Energie einfach verschluckt. Vielmehr unterstützt er mich aktiv bei der nächsten Abrollbewegung. Aber immer langsam mit den jungen Pferden.
Da heute eine längere Runde auf dem Plan steht, nehme ich zunächst wieder etwas Tempo heraus. Die ersten zehn Kilometer laufe ich ganz gemütlich, klassisches Slow Running über die Ferse, wobei mir das schnelle Abrollverhalten hilft, eine gute Schrittfrequenz beizubehalten. Trotzdem fühlt sich der Paramount Max zu keinem Zeitpunkt wie eine lahme Ente an. Im Gegenteil: Für einen derart hoch aufgebauten Schuh ohne Platte ist die Reaktivität wirklich beeindruckend.
Gerade bei langsameren Läufen ist das für mich ein entscheidender Punkt. Ich bekomme den Komfort, den ich mir von einem solchen Schuh wünsche, muss dafür aber nicht auf ein aktives Laufgefühl verzichten.
Wenn es schneller wird, legt der Paramount Max noch einmal nach
Gegen Ende der Runde ziehe ich das Tempo etwas an und baue ein paar Intervalle ein – fünfmal 200 Meter mit richtig Druck, um die Beine etwas locker zu bekommen. Eigentlich hatte ich den Paramount Max bis dahin vor allem als komfortablen Begleiter für lange, ruhige Läufe eingeordnet.
Aber auch hier überrascht er mich.
Der Übergang vom Mittelfuß zum Vorfuß fühlt sich ausgesprochen reaktiv an. Wenn ich Druck aufbaue, gibt mir die Sohle spürbar etwas zurück. Gerade bei meinem typischen Laufstil über den Mittelfuß funktioniert das hervorragend. Die Ferse bleibt dagegen auch bei höherem Tempo deutlich softer. Hier sinke ich weiterhin tief in den Schaum ein. Trotzdem bleibe ich nicht plump stehen. Die Abrollgeometrie übernimmt und führt mich direkt in die nächste Bewegung.
Natürlich ist der Paramount Max kein klassischer Speed-Schuh. Dafür ist er schlicht zu voluminös und zu weich abgestimmt. Aber dass ich mit einem derart komfortorientierten Laufschuh auch schnellere Abschnitte und Intervalle mit so viel Laufspaß absolvieren kann, hätte ich vorher nicht erwartet.
Stabilität: Einsinken statt auf der Sohle stehen
Bei maximal gedämpften Laufschuhen ist Stabilität für mich immer ein wichtiges Thema. Je höher und weicher die Sohle, desto größer meine Skepsis. Schließlich möchte ich beim Laufen nicht das Gefühl haben, auf einer instabilen Plattform zu stehen. Beim SAUCONY Paramount Max funktioniert die Konstruktion für mich aber erstaunlich gut.
Der entscheidende Unterschied: Ich stehe nicht einfach oben auf einer hohen, weichen Sohle, sondern sinke in deren Mitte ein. Das kennt man ja so schon von HOKA. Die seitlichen Strukturen umschließen den Fuß und geben ihm Führung. Zusammen mit der breiten Sohlenbasis entsteht so ein angenehm kontrolliertes Laufgefühl. Das Knie bleibt hier ebenfalls stabil, und auch mein linkes Sprunggelenk, das bei mir deutlich schwächer ist, knickt nicht weg.
Im Vergleich zu anderen hoch aufgebauten und sehr weichen Schuhen empfinde ich den Paramount Max als ausgesprochen stabil. Besonders in Kurven und während der Stützphase vermittelt er mir viel Sicherheit.
Für wen eignet sich der SAUCONY Paramount Max?
Nach meinen Testläufen würde ich den Paramount Max nicht ausschließlich auf lange, langsame Läufe reduzieren. Natürlich fühlt er sich bei entspannten Dauerläufen und längeren Trainingsrunden besonders wohl. Aber er kann deutlich mehr, als seine massive Bauweise zunächst vermuten lässt.
Wer gerne weich läuft und dabei trotzdem ein aktives, dynamisches Laufgefühl sucht, bekommt hier einen ausgesprochen vielseitigen Trainingsschuh. Ob langsames Slow Running, lockere Dauerläufe, längere Trainingsrunden oder auch schnellere Abschnitte und Intervalle: Der Paramount Max macht vieles mit. Voraussetzung ist allerdings, dass man grundsätzlich mit einer sehr weichen Dämpfung zurechtkommt.
Wer dagegen einen direkten, bodennahen Schuh mit festem Laufgefühl bevorzugt, wird mit dem Paramount Max vermutlich nicht glücklich. Dafür ist er schlicht zu soft und zu hoch aufgebaut.
Fazit: Wie kann so viel Schuh so viel Spaß machen?
Ich gebe es zu: Anfangs war ich ziemlich skeptisch. Ich hatte bereits beim ersten Reinschlüpfen die Befürchtung, dass mir der Paramount Max beim Laufen zu schwammig und träge sein könnte. Nach meinen Testläufen muss ich sagen: SAUCONY hat hier wieder abgeliefert!
Der SAUCONY Paramount Max verbindet maximale Dämpfung mit einer Reaktivität, die ich bei einem derart voluminösen Trainingsschuh nicht erwartet hätte. Er ist extrem komfortabel, bietet eine überzeugende Stabilität und fühlt sich selbst bei etwas höherem Tempo erstaunlich dynamisch an.
Besonders beeindruckt mich, dass er sich beim Laufen nicht schwerer anfühlt als ein normaler Trainingsschuh. Die massive Sohle ist zwar präsent, wird aber durch das lebendige Laufgefühl und die flüssige Abrollbewegung gut ausgeglichen.
Ist der Paramount Max ein Speed-Schuh? Sicher nicht. Aber er ist eben auch keine lahme Couch auf vier Zentimetern Schaum. Wer weiche Laufschuhe mag und trotzdem gerne aktiv läuft, bekommt hier einen Trainingsschuh, der vom langsamen Dauerlauf bis zu schnelleren Einheiten erstaunlich viel mitmacht. Meine anfängliche Skepsis ist jedenfalls verflogen. Was als Zweifel an einem weiteren maximal gedämpften Laufschuh begann, ist inzwischen echter Laufspaß geworden. Für mich kommt der Paramount Max auf jeden Fall in meine aktuelle Laufschuhrotation!
Der SAUCONY Paramount Max hat mich überrascht. Und zwar richtig.
Unser Autor Lukas
Ich laufe seitdem ich aufrecht stehen kann. Ich komme aus einer Läuferfamilie, daher kann ich mich nicht erinnern, irgendwann nicht gelaufen zu sein. Laufen ist für mich genießen und entspannen. Einfach einmal Gedanken schweifen lassen, am liebsten Offroad und mit möglichst vielen Hindernissen und Schlamm.
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