Der Everest Marathon – Ein Laufabenteuer

Jörg Giesen, Inhaber von Laufsport Bunert in Krefeld und Mönchengladbach, hat sich einen besonderen Traum erfüllt: Die Teilnahme am Everest Marathon. Er berichtet über das Laufen auf dem Dach der Welt, wo schon Zähneputzen anstrengend ist:

Wann ich vom Everestmarathon gehört habe, weiß ich nicht mehr. Dass ich jedoch seitdem meine Familie mit Schwärmereien nervte, das weiß ich. Irgendwann im Sommer 2011 bekam ich dann das familiäre Okay und die Planung konnte beginnen.

Zum 10. Mal sollte am 29. Mai 2012 in Nepal der Tensing Hillary Everest Marathon ausgetragen werden und ich wollte dabei sein. Der nach den beiden Bezwingern des höchsten Bergs der Welt benannte Lauf findet traditionell am Tag der Erstbesteigung statt. Aber wie bereitet man sich am Niederrhein auf Meereshöhe vor, wenn für das Bergtraining nur Autobahnbrücken zur Verfügung stehen? So lief ich also weiter, als würde ein normaler Marathon ins Haus stehen. Im Januar meldete ich mich an, buchte die Flüge und begann, über die Ausrüstung nachzudenken.  Ein warmer Schlafsack, Daunenjacke und Hose, Bergschuhe, Rucksack usw. mussten her. Bei Salewa fand ich nicht nur die passenden Produkte und einen guten Berater, sondern auch großzügige Unterstützung. Die Wahl der richtigen Trailrunning-Ausrüstung fiel mir nicht besonders schwer. Da konnte ich mich auf die Qualität und das Knowhow von Salomon verlassen.

So gerüstet bestieg ich am 15. Mai den Flieger, der mich via Abu Dhabi nach Katmandu brachte. Katmandu traf mich nach meiner Ankunft erst einmal mit voller Wucht. Der Krach, der Dreck, das Chaos und die Armut bewirkten einen mittleren Kulturschock. Nach zwei Übernachtungen in der Hauptstadt Nepals ging es für den größten Teil der Teilnehmer aus aller Welt in kleinen Flugzeugen zum gefährlichsten Flughafen der Welt nach Lukla. Nach der Landung zeigte sich Nepal jedoch in einem anderen Licht. Eine atemberaubende Bergwelt, sehr freundliche Menschen und eine charmante Einfachheit begrüßten die Teilnehmer.

Die zwölf verbleibenden Tage bis zum Start des Marathons dienten nun dem sehr gemächlichen Aufstieg und der Anpassung an die Höhe. Für die Unterkunft in Zelten und das sonstige leibliche Wohl sorgte eine Vielzahl von Sherpas. So mussten wir Läufer lediglich uns selbst auf den Berg tragen. Der Aufstieg folgte der Laufstrecke, was den Teilnehmern die eine oder andere Sorgenfalte bescherte. Wie sollte man auf diesen Pfaden laufen?

Der Kurs führte selten über Wege, die mehr als einen Meter breit waren und wurde über weite Strecken auf einer Seite vom Berg und auf der anderen von mehreren hundert Metern Abgrund begrenzt. Außerdem teilte man die Wege auch am Wettkampftag nicht nur mit Trägern, die Ware und Baustoffe in höhere Regionen schleppten, sondern häufig auch mit Yaks. Diese Hochlandrinder sind das bevorzugte Lasttier der Region. Auch mussten lange und sehr hohe Hängebrücken überwunden werden, die einen unweigerlich an Indiana Jones denken ließen.

Am 27. Mai erreichte der Tross dann das Everest Base Camp in 5400 Metern Höhe, welches normalerweise den Bergexpeditionen vorbehalten ist. Nie musste ich mich in einer unwirklicheren Umgebung auf einen Marathon vorbereiten. Zwei Tage am Rande des Khumbu Icefalls, der den Einstieg in den Everest markiert, auf  Eis und Geröll zu zelten ist ein echtes Abenteuer. Der Umstand, dass schon Zähneputzen zu Schnappatmung führte, rief bei mir leichte Zweifel hervor.

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Der Marathontag begann mit strahlend blauem Himmel. Pünktlich um 7 Uhr ging es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt los. Deutlich angenehmer wurde es, als die Sonne über die Berge kam. Nach dem Start führte die Strecke bis zum ersten Kontrollpunkt nach fünf Kilometern über Eis und Geröll. Dort hatte sich das Feld bereits weit auseinandergezogen. Vorne liefen erwartungsgemäß Sherpas, die an Gelände und Höhe gewöhnt waren.

Ich startete etwas verhalten, da die dünne Luft das Laufen recht schwierig machte. Es besserte sich jedoch zusehends, da es auf den nächsten zehn Kilometern gut 1000 Meter abwärts ging – dies jedoch teilweise in extrem steilen Kletterabschnitten. Mit zunehmender Streckenlänge machte sich die Zurückhaltung am Anfang bezahlt. Ich arbeitete mich stetig nach vorn und erreichte nach 6h 49min 55s das Ziel in Namche Bazar als dritter Europäer. Dies reichte zum 11. Platz der Ausländerwertung.

Bereits einen Tag später ging es an den Abstieg nach Lukla in zwei Tagesmärschen. Wer schon mal einen Marathon gelaufen ist, kann sich sicher vorstellen, dass dies kein leichtes Unterfangen war. Steil bergab gehen klappt dann nicht wirklich gut. Beendet wurde die Reise mit einer großen Party der Teilnehmer aus aller Welt in Katmandu.

Der Everest Marathon ist sicher eine etwas andere Laufveranstaltung. Wer jedoch seine läuferischen Grenzen in atemberaubender Umgebung austesten und viele tolle Menschen kennenlernen möchte, dem ist die Reise nach Nepal auf jeden Fall zu empfehlen. Infos gibt es unter www.everestmarathon.com oder bei Laufsport Bunert in Krefeld.

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Der Autor: Jörg Giesen, 53 Jahre, verheiratet, drei Kinder, Inhaber von Laufsport Bunert in Krefeld und Mönchengladbach. Vielen Dank an Salomon und Salewa für die tolle Unterstützung sowie Holger von CEP für viele gute Tipps. 

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