Ist das noch Crosslauf oder schon Trailrunning?

Ein Plädoyer, sich über Definitionen hinweg zu „laufen“

Ist Trailrunning nur das extreme Laufen durchs Hochgebirge, bei denen man neben Höhenmetern insbesondere mit Steigungen, Neigungen, Geröllfeldern und anderen Unwägbarkeiten zu kämpfen hat? Was verbirgt sich hinter dem recht neumodischen Begriff Trailrunning? Wie wohl jeder weiß, kommt der Begriff Trail aus dem Englischen und steht für Pfad. Eine allgemeingültige und akzeptierte Definition gibt es bislang nicht.

Wikipedia definiert den Begriff Traillauf (engl. Trail Running) als „eine Form des Langstreckenlaufs , der abseits asphaltierter Straßen stattfindet. Mit dem Begriff Traillauf lassen sich alle Ausprägungen des Laufens abseits von Straßen zusammenfassen, vom Jogging im Park auf ebenen Flächen bis hin zu Ultraläufen über mehrere Etappen über die Alpen.“

Andere Organisationen und Veranstalter sehen es deutlich enger und verstehen unter dem Begriff Trailrunning nur Läufe mit wirklich vielen Kilometern Strecke und möglichst vielen Höhenmetern.

Die International Trailrunning Association (iTRA www.i-tra.org, gegründet im Juli 2013) definiert Trailrunning folgendermaßen:

Trail-running is a pedestrian race open to all, in a natural environment (mountain, desert, forest, plain…) with minimal possible paved or asphalt road (which should not exceed 20% of the total course).
The terrain can vary (dirt road, forest trail, single track…) and the route must be properly marked.
The race is ideally – but not necessarily – in self-sufficiency or semi self-sufficiency and is held in the respect for sporting ethics, loyalty, solidarity and the environment.

Anm. d. Red.: Obwohl schon einige Versuche unternommen wurden, hat Deutschland übrigens bislang keinen Trailrunning Verband.

Um es aber zu vereinfachen…

Im herkömmlichen Sinne startet Trailrunning dort, wo der Asphalt der Straße endet. Und insofern gibt es Trailrunning schon wirklich lange, auch außerhalb der Alpen oder der Mittelgebirge. In diesem allgemeinen Sinne verstanden ist der Übergang vom Crosslauf zum Trailrun fließend. Als ich als Kind „Trailrunning Wettkämpfe“ machte, wurden diese noch Crosslauf genannt und von den örtlichen Leichtathletik Vereinen veranstaltet. Gelaufen sind wir damals in unseren normalen Laufschuhen, manchmal in unseren Spikes! Gelaufen sind wir allerdings auch zu der Zeit schon auf unterschiedlichen Untergründen – von halbwegs befestigten Waldwegen über matschige Wiesen bis hin zu schlammigen Brennnesselpfaden.

Aus diesen „Unwägbarkeiten“ ergeben sich besondere Anforderungen an den Körper des Trailrunners. Die gesamte Muskulatur ist mehr und anders gefordert, wenn sie Unebenheiten oder Steigungen ausgleichen muss. Allein der ständige Wechsel der Schrittlänge und der unterschiedlichen Belastungen fordert den Trailrunner anders als auf einer ebenen Tartanbahn. Insgesamt muss man sich mehr konzentrieren, um beispielsweise nicht umzuknicken.

Trailrunning Schuhe

Trailrunning ist hip! Daher bauen auch die Hersteller eine Vielzahl von Trailrunning Schuhen.
Auch die Schuhe warten heutzutage mit besonderen Trail Features auf. Beispielsweise ist das Obermaterial von Trailrunningschuhen robuster und häufig wasserabweisender als herkömmliches Mesh, das bevorzugt bei Straßenlaufschuhen eingesetzt wird. Bei dem Thema „Wasserschutz“ scheiden sich aber die Geister. Wenn man nicht allzu lange unterwegs ist und man Schutz vor Regen sucht, mag eine dichte Membran sinnvoll sein. Läuft man aber durch Bachläufe oder tiefe Pfützen ist ein offenes Obermaterial empfehlenswert, da das Wasser dann auch wieder entweichen kann. Das Profil der Sohle ist griffiger, teilweise aus einem Vibram Material. Die Sohle selbst ist häufig steifer und durchtrittsfester als die von Straßenlaufsschuhen. Spitze Steine oder Wurzeln können unangenehme Schmerzen verursachen. Manchmal werden die Zehen durch eine Extra Kappe am Schuh geschützt (Zehenbox). Und so gibt es dann jede Menge Schuhe, die je nach Einsatzzeit, Einsatzbereich und individuellen Voraussetzungen konzipiert sind.

Um aber bei unserer eher breiten Definition zu bleiben: Solange der Trail nicht extrem wird, kann man sicher auch mit „normalen“ Laufschuhen Trailrunning betreiben. Nichtsdestotrotz bieten Trailschuhe Vorteile. Wir haben die bunert Fans bei Facebook gefragt:
Welche Eigenschaften sind dir bei Trailrunning Schuhen besonders wichtig?

  • Durchtrittsfeste Sohle: 25,1 %
  • Profil: 57,5 %
  • Wasserdichtigkeit: 16,4 %
  • Farbe: 1,0 %

Offensichtlich ist den meisten Trailrunnern (fast 60 %) das Profil der Schuhe am wichtigsten. Das verwundert in unserer Region (NRW) wenig, da es in unseren heimischen Gefilden insbesondere um Griffigkeit gehen dürfte. Vermutlich ist das Profil aber wirklich wichtig! Man stelle sich einen Ultratrail ohne Traktion vor…

Sicher ist es sinnvoll, bei extremen Trailruns auch über die Ausrüstung nachzudenken. Beispielsweise der österreichische ATRA besteht auf eine Pflichtausrüstung bei den verschiedenen Distanzen. Bei diesen Läufen gibt es eine große Schnittmenge mit herkömmlichen Outdoor Aktivitäten. Insofern lohnt es, über die Bekleidung (Zwiebelprinzip) und Versorgung nachzudenken.

Distanzen im Trailrunning

Wie klassifiziert man eigentlich Trailruns? Die Verbände richten sich meist nach den Distanzen.

Der internationale Trail Running Verband klassifiziert Trailruns folgendermaßen:

  • Trail: Under 42 km
  • Trail Ultra Medium (M): 42 km to 69 km
  • Trail Ultra Long (L): 70 km to 99 km
  • Trail Ultra XLong (XL): 100 km and more

Quelle: http://i-tra.org/page/259/Definition_of_trail-running.html

Der österreichische Trail Running Verband (Austrian Trail Running Association, ATRA, www.trailrunning-verband.at) geht ähnlich vor, berücksichtigt aber auch noch die zu absolvierenden Höhenmeter:

  • Speedtrail: bis 30 km
  • Marathontrail: 50 – 60 km
  • Ultratrail: 70 – 120 km
  • Ultralongtrail: mehr als 120 km

Um eine klare Differenzierung zum Training des Flachlaufs zu haben, sollte der Höhenmeteranteil als Richtwert 5% der Streckenlänge der gesamten Aufstiegshöhenmeter z.B. 30km und 1500hm Aufstieg betragen.
Quelle: ATRA Richtlinien-Leitlinien 2014

Klassische Trailruns und andere Arten

Man findet häufig auch die Unterscheidung nach Arten. Also wird beispielsweise in Berglauf, Landschaftslauf und Urban Run unterschieden. Wieder andere sprechen von Cross Running, Cross Adventure, Cross Trail und Cross Speed (vgl. http://magazin.woxikon.de/35258/trendsport-trail-running-infos-zum-laufen-im-gelaende/).

Zu den klassischen Trailruns gehören sicher die Mehretappenläufe in den Alpen. Beim Gore Tex Transalpine Run (www.transalpine-run.com) werden die acht Etappen in Zweierteams zurückgelegt. 293 Kilometer und 13.730 Höhenmeter von Ruhpolding bis nach Sexten wurden im Jahr 2014 zurückgelegt. Aufgrund der Zweierteams ist das Tempo jedes einzelnen Teams abhängig der Geschwindigkeit des schwächeren Läufers. Eine eher ungewöhnliche Verhaltensweise für den tendenziell einzelgängerischen Wettkampfläufer. Für die Teilnehmer steht insofern vielleicht eher die gemeinsame Herausforderung und der Genuss der Landschaft im Vordergrund.

Ein Klassiker im Einzelwettbewerb ist der Trail Maniak (www.trail-maniak.com) im Pitztal. Neben einem Kinderwettbewerb bietet der Trail Maniak den Trailrunnern drei verschiedene Distanzen. Von 13 km mit 800 Höhenmetern über 42 km mit 2.800 Höhenmetern bis zu 95 km über 7.000 Höhenmeter.
Ein Nonplusultra ist sicher der Ultra-Trail du Mont Blanc (UTMB, www.ultratrailmb.com) der seit 2003 im französischen Chamonix stattfindet. Hier müssen 168 Kilometer über 9.000 Höhenmeter in einem Zeitlimit von 46 Stunden rund um den Mont Blanc bewältigt werden.

Was ist eigentlich mit Hindernisläufen wie dem Mud Masters Obstacle Run oder dem StrongmanRun, die immer größeren Zuspruch erhalten? Trail oder kein Trail? In enger Definition sicher nicht und doch tendiere ich dazu, diese auch dem erweiterten Segment Trailrunning zuzuordnen.

Um ein Fazit Trailrunning zu ziehen…

Was auch immer ihr unter Trailrunning versteht, wichtig ist ja letztlich nur, dass das Schöne am Laufsport ja ist, dass man es überall und zu jeder Zeit machen kann. Und auf Trails – welchen auch immer – macht es besonders viel Spaß. Also nennt es wir ihr wollt, streitet euch über Definitionen, ich bin kurz weg, in den Herbstwald, schön in der Matsche laufen…patsch, herrlich!
Und ab heute nenne ich es Matschrunning, Ätsch!

 

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